Heute müssen wir schon zeitig aufstehen, denn wir müssen um 8:30 Uhr die Fähre nach Sfakia erwischen. Leider verpassen wir das tolle Frühstück im Blue Horizon, aber eine kleine Bäckerei am Hafen hat auch guten Kaffee und so frühstücken wir dort mit den Einheimischen
Die Fähre fährt über Sougia – Agio Roumeli – Luotro – nach Chora Sfakion. Nach einer 90-minütigen Pause in Agio Roumeli kommen wir dann gegen 13:00 Uhr ins Sfakia an.

Unsere erste Etappe am E4 soll uns heute bis nach Loutro, beziehungsweise noch ein Stück weiter zum Lycos Beach führen. Diese Etappe ist ungefähr 8,5 km lang und führt der Küste entlang. Nachdem wir die ersten 2 km auf der Straße entlang wandern mussten (wenig spektakulär, aber schöner Blick auf Sfakia), ging es dann zum Einstieg in den Küstenweg.
Dieser hatte es wirklich in sich, denn die schmalen Grate, die teilweise aus losem Geröll bestanden und wo es gleich einmal 50 m in die Tiefe ging, stellten sich als ziemliche Herausforderung für uns dar. Beide sind wir diese Etappe vor 25 Jahren schon einmal gemeinsam gelaufen, doch keiner von uns konnte sich daran erinnern, dass es uns damals besonders beeindruckt hätte… Heute allerdings haben wir großen Respekt vor der Höhe und den wirklich gefährlichen Passagen. Ein falscher Schritt, und es geht gleich ziemlich tief bergab…
Nach 2 Stunden erreichen wir den legendären Sweet Water Beach, auf dem jetzt viel mehr Bäume wachsen als früher. Fredi hat hier in den letzten vier Jahrzehnten ja zusammen mehrere Wochen verbracht… nach einer kurzen Rast am Strand und einen Sprung ins (19°) kalte Wasser brechen wir wieder auf, um Loutro zu erreichen.
Was wir seinerzeit als kurzen unproblematischen Spaziergang in Erinnerung hatten, entpuppte sich aber erneut als mühseliges und schwindelerregendes Kraxeln über Geröll und Steine und wir waren erleichtert als wir dann nach eineinhalb Stunden Loutro erreichten. Eine Stärkung am Hafen war wichtig (natürlich hatten wir nichts zum Essen dabei – wenigstens aber an Wasser haben wir gedacht!…) - denn unsere Energiereserven waren schon etwas dürftig.
Die letzte Etappe des Tages sollte zum Lycos Beach führen, nochmals gut 1 Stunde entfernt .Hier wurden beim legendären Nikos frühe viele Stunden in der Taverne verbracht und so wollten wir aus Nostalgiegründen hier übernachten, aber leider war für uns kein Zimmer mehr frei. Also bezogen wir in der gleich neben anliegenden Taverne Acrogiali ein Zimmer. Die letzten Kilometer dorthin haben sich noch sehr gezogen und wir waren froh, unsere Wanderschuhe ausziehen zu können und uns von vom Besitzer Pavlos und seiner Mutter kulinarisch verwöhnen zu lassen.
Die heutige, längere Etappe wird uns wieder einiges abverlangen. Leider sind wir erst 1 Stunde später als geplant weggekommen, da Pavlos mit dem Frühstück etwas überfordert war und für alles seeeehr lange gebraucht hat…
Gleich nach unserer Taverne biegen wir wieder auf den E4 ein und finden jene Höhle, in der Fredi 1984 mal 3 Tage mit Darmverstimmung dahin vegetiert ist… zum Glücker hat er es überlebt!
Die steilen Felswände, die es zu bezwingen gilt, sind zum Glück mit Seilen gesichert, an denen wir uns festhalten können. Aber schon kurz danach wird es wieder sehr grenzwertig für uns, da die vielen schwindelerregenden Stellen, an denen wir uns dicht am Fels entlang hanteln müssen, eine echte Herausforderung war.
Wir erreichen den Marmara Beach und stärken uns in der Taverne mit einem Cola. Der Großteil der insgesamt 13 km langenWegs liegt noch vor uns. Wir hoffen ja, dass das schwierigere Stück der Strecke schon hinter uns liegt, wir werden aber eines Besseren belehrt
Die gesamte Strecke ist sehr kräfteraubend, denn auch wenn es gerade dahingeht, müssen wir jeden Schritt konzentriert setzen, da es kaum einen befestigten Weg, sondern weitgehend loses Gestein zu bewältigen gilt. Zwischendurch müssen wir Sanddünen durch wandern, die auch mehr als mühselig zu gehen waren. Auch als wir aus der Ferne schon Agio Roumeli sehen, beginnt nochmals eine richtige Challenge mit rauf und runter Kletterpassagen und selbst, als wir dann endlich auf Meereshöhe sind ,gilt es noch 2 km auf grobem Schotter und Steinen zu überwinden.
Ein paarmal war ich kurz vorm Verzweifeln, da ich keine Kraft und Lust mehr hatte. Dazu kam ,dass wir auch unter Zeitdruck standen, denn wir wollten unbedingt die Fähre um 17:30 Uhr nach Sougia erreichen. Wir waren nun schon fast 6 Stunden mit nur kleinen Pausen unterwegs und echt müde. Aber wir haben's geschafft – in buchstäblich letzter Minute erwischten wir die Fähre und erreichten das kleine Örtchen Sougia nach einer knappen Stunde.
Kurz zuvor war plötzlich starker Wind ausgezogen und es stürmte sehr, als wir das Schiff verließen. So müde wir auch waren, trotzdem sehr dankbar dass uns der Sturm nicht schon beim wandern erwischt hat… Wir suchen unser Appartement Galini, zum Glück erwartet uns unser Vermieter Chris schon und wir können uns endlich von den Strapazen des Tages erholen.
Die für heute geplanteWander-Etappe Sougia -Paleochora streichen wir einstimmig – nicht nur wegen unserer müden und Blasen-geschundenen Füße, sondern auch wegen den schlechter werdenden Wetterbedingungen und dem heftig böigen Wind. Wir gehen in Sougia in einem halbwegs windgeschützten Café auf ein gutes Frühstück und drehen eine Runde am Strand. Dort wo man früher unbehelligt am Strand schlafen konnte, findet man auch heute einige Zelte und Wohnwägen und bewohnte Hängematten. Obwohl einige neue Hotels und lokale dazugekommen sind, hat sich Sougia den Charme eines kleinen individualistischen Aussteigerorts bewahrt.
Wir beschließen, ein Taxi nach Paleochora zu buchen, da wir nicht sicher sind, ob die Fähre abends überhaupt fährt wegen des Windes und dem Wellengang. Ganz unkompliziert organisieren wir das Taxi, mit 50 € sind wir dabei und schon zu Mittag wieder zurück in Pale.